Plastic - Besser als die Discogs-App...?

Ich habe für euch intensiv die App Plastic von Andy Lurs getestet. Bietet sie einen echten Mehrwert, sodass es sich lohnen kann, seine Musik-Sammlung in dieser App zu speichern, anstatt in Discogs? Die gute Nachricht: Man muss sich gar nicht entscheiden...

EMPFEHLUNGTIPP

Timo Klingelhöfer

9/5/20265 min read

Meine ersten Schritte

Fast täglich verwende ich die App Discogs, um neue Platten in die Sammlung aufzunehmen bzw. um in Plattenläden und auf Flohmärkten, vorm Kauf Infos über die Schallplatten zu erhalten. Schließlich möchte ich nicht irgendeine Pressung haben, sondern genau die, die bei Sammlern besonders begehrt ist, cool aussieht oder besondere Features enthält.

Schon einmal habe ich eine Alternative zu Discogs ausprobiert und war relativ schnell enttäuscht, weil mir wichtige Features gefehlt haben. Die App damals sah grafisch besser aus, war aber in der Bedienung und den Features ein Downgrade.

Umso kritischer war ich, als ich von der App Plastic erfahren habe. Der Programmierer und Schöpfer der App, Andy Lurs, schrieb mich persönlich über Instagram an und machte mir Mut, trotz meiner schlechten Erfahrungen, einen Versuch zu wagen. Er war so nett, mir die Premium-Features dauerhaft freizuschalten, damit ich intensiv testen konnte.

Schneller als Discogs

Was mir direkt auffiel war, wie schnell die App die gewünschten Alben scannt. Während ich mir bei Discogs bis heute Gedanken machen muss, in welchem Abstand ich einen Barcode am besten scanne, wurde die Platte mit Plastic bereits erkannt, bevor ich überhaupt dachte, die Kamera bereits auf den Barcode gerichtet zu haben (getestet auf einem iPhone 17 Pro).

Gibt es keinen Barcode, ist es dennoch nicht notwendig, Interpret und Name des Albums einzugeben. Man fotografiert einfach in der App die Platte und ebenso schnell ist die richtige Scheibe gefunden.

Ohne Barcode kann es erforderlich sein, die richtige Version manuell rauszusuchen. Das geht jedoch deutlich schneller als bei Discogs, da es eine übersichtliche, gut beschriftete Liste gibt (mit Fotos), die bereits so sortiert ist, dass die richtige Variante meist recht weit oben zu finden ist.

Man kann nun direkt in der App in die Songs reinhören, sogar YouTube-Videos der Songs anschauen.

Außerdem kann man eigene Listen in der App anlegen, die Folder von Discogs verwenden (alles immer perfekt mit Discogs synchronisiert, nachdem man einmalig Zugriff gewährt), Grading vom Medium und Sleeve einstellen, eine Sterne-Bewertung hinterlegen oder auch den Einkaufspreis dokumentieren.

Persönlicher als Discogs

Welche Platte meiner Sammlung feiert heute ihren Geburtstag und könnte daher gehört oder auf Social Media vorgestellt werden? In welches Genre möchte ich tiefer eintauchen und etwas über die Geschichte lernen? Welche neuen Releases sind basierend auf meiner Sammlung gerade erschienen und interessant für mich? Welche Reissues könnten mich interessieren?

All diese Fragen beantwortet die App Plastic in einer eigenen Rubrik. So macht das Spaß und Musikhören wird zu einer noch persönlicheren Angelegenheit.

Die eigene Sammlung entdecken

Durch die wunderhübsche Gestaltung der App (es gab 2026 den reddot winner award für app design), sieht die eigene Sammlung hübscher aus als jemals zuvor. Schnell mal herausfinden, wie sich der Song anhört auf der Platte, die ich erst einmal aufgelegt habe? Nach Genre sortieren? Nach Jahren? Nach Labels? Nach den eigenen Folder in Discogs? Es gibt keinerlei Einschränkungen. Alles geht leicht von der Hand und ist selbsterklärend.

Natürlich ist auch die Wishlist von Discogs mit dabei und nach der Einrichtung bereits synchronisiert.

In einer eigens dafür gestalteten Übersicht sehe ich auf einen Blick, wie viele Platten ich bereits mit der App gescannt habe, wie viele Platten ich besitze, was sie wert sind und welches Abo-Modell ich habe.

In der kostenlosen Version ist die Anzahl der Scans limitiert. Es reicht aber, um herauszufinden, ob man bereit ist, für die Mehrleistungen der App zu zahlen. Entweder monatlich oder man erwirbt die erschwingliche Life-Time-Lizenz, die ich dank Andy nutzen darf.

Für die Social Media Fraktion: Sehr cool finde ich die Möglichkeit, alle Platten des Monats in einem schicken, animierten Video zu präsentieren. Werde ich ab sofort regelmäßig machen und natürlich @plastic.vinyl auf Instagram taggen.

Die App, die im Plattenladen entstanden ist

Wer einen Plattenladen betritt, entdeckt dort oft mehr als Musik. In der Auswahl der Alben stecken der Geschmack, das Wissen und die Begeisterung der Menschen, die ihn betreiben. Genau das fasziniert Andy, den Entwickler hinter der App Plastic. Für ihn ist jeder Plattenladen auch ein Ausdruck der Persönlichkeit seines Inhabers.

Andy stammt ursprünglich aus der Ukraine und lebt seit rund sieben Jahren als digitaler Nomade. Seine Stationen führten ihn unter anderem nach New York, Brasilien, Asien und in den Nahen Osten. Eines gehört auf seinen Reisen fest dazu: Plattenläden besuchen, stöbern und mit den Menschen hinter dem Tresen ins Gespräch kommen. Dabei begegnet ihm immer wieder eine Haltung, die auch seine eigene Arbeit prägt: die Liebe zu dem, was man tut, und zu der Community, die daraus entsteht.

Eine Idee zwischen den Plattenregalen

Die Idee für Plastic entstand aus diesen Begegnungen – und aus Andys Blick als Produktdesigner. Seit fast 20 Jahren beschäftigt er sich mit Produktdesign, seit mehr als zehn Jahren leitet er die Designagentur Selecto. Zu seinem Portfolio gehören zwei Red Dot Awards und ein UX Award. Doch den Anstoß für Plastic gaben ganz konkrete Beobachtungen im Plattenladen.

Denn selbst ein liebevoll zusammengestelltes Sortiment erschließt sich Besuchern nicht immer von allein. Eine unbekannte Band, ein besetzter Plattenspieler oder die Scheu, nachzufragen: Manchmal reicht das schon, damit eine interessante Platte zurück ins Regal wandert. Wie sie klingt und welche Geschichte hinter ihr steckt, bleibt dann unentdeckt.

Andy wollte den Zugang zu diesen Platten erleichtern. So entwickelte er Plastic als Verbindung zwischen dem kuratierten Angebot eines Plattenladens und der Neugier seiner Besucher. Die ersten QR-Codes wurden in Läden angebracht, und die Menschen begannen, die App zu nutzen.

Die Nutzer brachten Plastic mit nach Hause

Der nächste Entwicklungsschritt kam direkt aus der Community. Über das Feedbackformular berichteten Nutzer Andy, dass sie Plastic auch zu Hause verwendeten: Die App half ihnen dabei, ihre eigene Plattensammlung zu organisieren.

Aus dem Werkzeug zum Entdecken von Musik wurde so auch eine Anwendung zur Sammlungsverwaltung. Für Andy bedeutete das, die Bedienung gezielt auf diesen zusätzlichen Einsatz auszurichten. Die Weiterentwicklung folgte damit dem, was Menschen tatsächlich mit Plastic machten und was ihnen im Alltag half.

Persönlicher Einsatz statt bloßer Funktionsliste

Andy betreibt Plastic weiterhin allein. Er steht täglich mit den Nutzern im Austausch, sammelt Rückmeldungen und untersucht, welche Funktionen als Nächstes sinnvoll wären. Über Social Media gibt er Einblicke in die Entwicklung und macht seine Arbeit öffentlich nachvollziehbar. Die Community hilft ihm dabei, kommende Versionen und die nächsten Schritte zu gestalten.

Gerade darin zeigt sich seine Leidenschaft: Andy bringt seine langjährige Erfahrung im Produktdesign in ein Projekt ein, dessen Ausgangspunkt persönliche Neugier und echte Begegnungen waren. Er hört zu, beobachtet und entwickelt weiter.

Plastic verbindet damit zwei Dinge, die gut zusammenpassen: die Begeisterung fürs Entdecken von Schallplatten und den Anspruch, eine durchdachte, einfach bedienbare App zu gestalten. Angefangen hat das alles dort, wo Musikfans besonders gern auf Entdeckungsreise gehen – zwischen den Regalen eines Plattenladens.

Fazit

Plastic ergänzt Discogs genau dort, wo ich meine Plattensammlung bewusster erleben und übersichtlich organisieren möchte. Discogs bleibt dabei die vertraute Datenbasis, und dank der vollständigen Synchronisierung bleibt meine Sammlung auch dort auf dem aktuellen Stand.

Mich hat diese Kombination überzeugt: Plastic hat jetzt einen festen Platz direkt neben Discogs auf meinem Homescreen – immer griffbereit. Und ich werde die App weiterhin intensiv nutzen. Ein größeres Lob kann ich ihr eigentlich nicht machen...

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